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Donnerstag, 18 Dezember 2025 21:55

Molly Hatchet – Moonday6 – Gary Twins in Rubigen

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18. Dezember 2025, Rubigen - Mühle Hunziken
By Rockslave

Eigentlich sollte sich der ganze Southern Rock Tross gemäss der langjährigen Tradition ja im Z7 in Pratteln einfinden, aber heuer kam es anders, und das war beleibe kein Unglück, im Gegenteil! Ursprünglich war dieses Konzert bereits für den vergangenen Mai angekündigt worden, doch aufgrund einer Unpässlichkeit in Zusammenhang mit den Aufnahmen zum neuen Studio-Album musste die komplette europäische Frühjahres-Tournee verschoben werden. Somit sind seit dem letzten CH-Auftritt (im Z7) und der Vorstellung des ungewohnt jungen Parker Lee als künftiger Frontmann schon wieder zwei Jahre ins Land gezogen.

Mich und wohl auch ein paar derjenigen Leute, die den aktuellen Sänger ebenso erst zum zweiten Mal sahen, nahm es nun natürlich wunder, wie der Reifeprozess entsprechend vorangeschritten ist. Mit dabei auf der ganzen Euro-Tour als Support waren Moonday6 aus Hannover, die in der Mühle ihre Schweiz-Premiere zelebrierten, und für den heutigen Abend verpflichtete man zusätzlich die Band Gary Twins aus Thun, die mir zuvor nicht bekannt war. Gleiches galt dabei auch für Moonday6.

Gary Twins
Wer in Rubigen ganz nah am Geschehen sein will und/oder, wie in meinem Fall, auch Fotos für den Live-Bericht benötigt, steht in der ersten Reihe und harrt der Dinge, die da kommen mögen. Kurz vor 19:30 Uhr "drängten" sich einige junge Leute an mir vorbei und organisierten sich kurz darauf auf der Bühne. Somit war klar..., das mussten Gary Twins sein, und so war es denn auch. Das Quartett besteht aus Sascha Rüegsegger (Gesang & Gitarre), Fabian Streit (Gitarre, Blues-Harp & Background Gesang), Fiona Iseli (E-Bass, Key & Background Gesang) und Dominic Gerber (Drums, Perkussion & Background Gesang). Gemäss den eigenen, offiziellen Angaben auf der Website sind ihre eigenen Songs vielseitig und bunt gemischt, inspiriert von grossen Namen.

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Dazu gehören Creedence Clearwater Revival, Lynyrd Skynyrd und Chris Stapleton. An gleicher Stelle ist zu lesen, dass die Truppe schon über 200 Konzerte (!) gespielt und mitunter auch schon mal für Rival Sons eröffnen durfte. Das wussten vor Ort wohl eher wenige bis niemand, aber kaum hatten Gary Twins losgelegt, blieb nicht verborgen, dass hier ein eingespieltes Kollektiv aufspielte. Vor allem Frontmann Sascha präsentierte sich dabei ordentlich cool, mit guter Gesangsstimme und haute dann und wann ein crunchiges Riff heraus, was den Southern Rock Sound hervorhob. Die knappe halbe Stunde bot Platz für insgesamt sechs Songs ab den ersten zwei Alben und neueres Material. Solider Auftritt, wobei Fiona am Bass ruhig etwas mehr Gas geben dürfte!

Setliste: «Southern Rock» - «Liquid Gold» - «Believe In The South» - «Ashes» - «Angels Share» - «Hotblame»

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Moonday6
Rein von der Optik her machten die Jungs von Moonday6 zumindest halbwegs einen auf Sleaze Rock, was sich anschliessend von der losgetretenen Energie jedoch nicht ganz einstellte. Dennoch gaben sich Tobias Kiel (Gesang & Rhythmus-Gitarre), Holger Marx (Lead-Gitarre & Backing Vocals), Sebastian Berensen (Bass & Backing Vocals) und Marvin Flöge (Schlagzeug) keine Blösse. Die Recherche zur Band ergab zudem, dass Tobias auch Mitglied (1. Tenor) bei der international erfolgreichen A-cappella Gruppe "vocaldente" (Eigenschreibung) ist und ich den Holger (von wegen Velvet Viper) nicht erkannt hatte. Letzterer wird auf Ende Jahr hin, heisst zusammen mit Jutta Weinhold (Ex-Zed Yago), das allerletzte Konzert mit Velvet Viper spielen, bevor "Jutti" (78) nun verdient in Rente geht.

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So gesehen erklärt es sich von selber, dass Musiker heutzutage häufig in mehreren Combos engagiert sind, damit es weitergeht, wenn zwischendurch auch mal etwas endet. Mit dem Stadion-Rocker «Rain» legte der Vierer gleich mal flott los und Tobias brillierte dabei umgehend mit seiner Top-Stimme. «Forever» haute darauf etwas melodischer in die gleiche Kerbe und wurde durch das Power-Drumming von Marvin kräftig untermalt. «Kiss That Girl» markierte darauf eine "Gute Laune Nummer" mit leicht punkigem Ansatz, während ich bei «My Way Or The Highway» zunächst stutze, weil ich da irgendwas heraushöre, das ich gut kenne und erst später herausfinde: Das Riff von AC/DCs «Gimme Me A Bullet» (Powerage, 1978) schimmert da nämlich prominent durch und lässt mich nicht mehr los!

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Und je länger die Jungs spielten, desto besser gefiel mir das Ganze, obwohl ich schon während dem Konzert irgendwie das Gefühl kriegte, dass Moonday6 zumindest mit etwas angezogener Handbremse agierten! Dies war vermutlich der Rolle als Anheizer geschuldet, denn wenn man sich das Studio-Material der Hannoveraner Jungs eingehend zur Brust nimmt, klingt die Mucke eine ganze Ecke knackiger und nicht anders herum, wie so oft! Nichtsdestotrotz konnte die schon bei Gary Twins erarbeitete, gute Stimmung gar noch gesteigert werden, was insgesamt auf jeden Fall verdient war. Moonday6 hinterliessen bei ihrem Debüt auf Schweizer Boden zweifellos einen durchaus positiven Eindruck und empfahlen sich unter dem Strich für weitere, rockige Momente. Wo? Hier natürlich.

Setliste: «Rain» - «Forever» - «Kiss That Girl» - «Honey» - «My Way Or The Highway» - «Old Days» - «This Feeling» - «Bad Luck» - «All Night Long»

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Molly Hatchet
Am bereits vorbereiteten Merchstand der amerikanischen Southern-Ikone entdeckte ich mit Jrene G. ein mir bestens bekanntes Gesicht. Nach der herzlichen Begrüssung und etwas small talk kriegte ich dann anschliessend mit, dass Drummer Shawn Beamer (schon seit 2024) nicht mehr bei Ingram & Co. mit dabei ist und durch Garrett Ramsden (Pretty Tied Up) ersetzt wurde. Das versetzte meine Wenigkeit nicht gerade in Panik, aber damit hatte ich jetzt echt nicht gerechnet, respektive ich fragte mich schon, warum mir dies überhaupt entgangen ist. Von Neu-Zugang Ramsden hatte ich bisher keinerlei, respektive allgemein Kenntnis, und so liess ich das Ganze einfach mal auf mich zukommen. Die aktuelle Besetzung besteht somit aus den Herren Ingram, Lindsey, Galvin, Parker und Ramsden.

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Die Mühle war an diesem Donnerstag-Abend sehr gut gefüllt, wenn auch nicht ganz ausverkauft, als der Headliner um 21:15 Uhr die Bühne betrat. Bisher hatte ich Bobby Ingram und seine Mitstreiter auf deutlich grösseren Bühnen erleben dürfen, inklusive 2015 beim "Sweden Rock Festival" und dort, nota bene, auf der "Festival Stage"! Der zweite Auftritt (nach Dezember 2018), hier in der vergleichsweise "winzigkleinen" Mühle, besass deshalb erneut absoluten Kult-Faktor, und dies bevor überhaupt ein Ton gespielt war. Dem Sound an sich sollte es eh bald mehr als nur zu einer Randnotiz gereichen. Interessant war an der Stelle noch die Tatsache, dass der Chef zumindest heute Abend ganz auf die Firma Marshall setzte, obwohl es früher unmissverständlich hiess: "Molly Hatchet is powered exclusively by Peavy Amps"!

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Als ich dann Bobby unmittelbar vor mir stehen hatte, erschrak ich zunächst etwas, denn der Gitarrist hat sichtlich an Körperfülle verloren. Was ja grundsätzlich mal keine schlechte Sache ist, verursachte zumindest vor meinem geistigen Auge eine kurze Irritation. Was Parker Lee angeht, so brauchte es bloss ein paar der ersten Textzeilen des Openers «Whiskey Man» um erfreut festzustellen, dass sich diese "Baustelle" weitgehend aufgelöst hat. Dennoch sprach das emotionslose Gesicht von Bobby Bände, sprich zu Beginn war es nicht in seinem Sinne. Das fing mal damit an, dass der eine Marshall-Amp seinen Dienst zunächst verweigerte. Der Stage-Tech war also gefordert und konnte das Problem zum Glück schnell lösen. Doch auch das erzeugte noch kein Lächeln bei Mr. Ingram.

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Auf sein Spiel färbte die offensichtliche Miss-Stimmung wenig bis gar nicht ab, aber normalerweise kennt man den filigranen Saiten-Derwisch eigentlich nur als gut gelaunte Froh-Natur. Bis es soweit war, dauerte es allerdings noch eine Weile. Dafür spielten seine Plektren, die in der Regel massig ins Publikum geschnalzt werden, noch eine gewisse Rolle. Als Parker dies für ein paar wenige Exemplare nämlich nachmachte, verärgerte das Bobby derart, dass er sich eine Handvoll vom Amp griff und diese wuchtig auf den Bühnenboden schmiss. Spätestens beim Klassiker «Fall Of The Peacemakers», wo auch die Musiker einzeln vorgestellt wurden, legte Ingram den Hebel aber um, und ab dem Moment war wieder alles in Butter, inklusive der beiden Marshalls, die infernalisch laut bratzten!

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Hinten raus gaben sich Molly Hatchet als neu gefestigte Einheit, was neben dem klar verbessert performenden Lead-Sänger vor allem auf das Konto von Drummer Garrett geht, der mich unweigerlich an den grossartigen Russell Gilbrook von Uriah Heep erinnert. Ramsden erzeugte ebenso mächtig Dampf hinter seinen Kesseln und liess die Mühle derweil in ihren Grundfesten erzittern, der helle Wahnsinn! Mit der obligaten Zugabe «Flirtin' With Desaster» vom gleichnamigen Debüt ging nach über hundert schweisstreibenden Minuten ein insgesamt grandioser Konzertabend zu Ende, der von den freudetaumelnden Fans lautstark abgefeiert wurde. So bescherte man dem letzten der Gig der Euro-Tour und wohl bisher lautesten Konzert in der Mühle ever (!) einen würdigen Abschluss.

Setliste: «Whiskey Man» - «Bounty Hunter» - «Gator Country» - «One Man's Pleasure» - «Devil's Canyon» - «Drum-Solo Garrett» - «Beatin' The Odds» - «I'm Gonna Live 'til I Die» - «Stranger (neuer Song!)» - «Keyboard-Solo John» - «Fall Of The Peacemakers» - «Jukin' City» - «Dreams I'll Never See (The Allman Brothers Cover)» -- «Boogie No More» - «Flirtin' With Desaster»

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