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Auf seinem dritten Album «Amid» drängt der in Berlin lebende Multi-Instrumentalist Azken AZKETEM weiter in den Zwielichtbereich zwischen atmosphärischem Black Metal und schattengetränktem Gothic Rock. Das Ergebnis ist ein Album, das sich bewusst unklassifizierbar anfühlt: düster, melodisch und durchtränkt von einem Gefühl schwerer Introspektion.
Obwohl die Markenzeichen des Black Metal – eisige Tremolos, harte Vocals und ein kalter rhythmischer Puls – immer noch vorhanden sind, wird «Amid» weit mehr von Stimmung als von Aggression geprägt. Tracks wie «End It All» und «By Light» schweben mit einer düster hypnotischen Melancholie dahin, getragen von tiefen Bariton-Vocals und einem düsteren Gitarren-Ton, der eher an Katatonia oder Fields Of The Nephilim erinnert als an die Orthodoxie der zweiten Welle. Selbst die Produktion setzt auf Atmosphäre statt auf Extremität: Sie ist warm, gedämpft und dicht, als würde sich alles hinter einem Nebelvorhang abspielen.
Was «Amid» auszeichnet, ist das Selbstbewusstsein, mit dem Azken Genres verwischt. Anstatt sich an die "Regeln" der Szene zu halten oder Nostalgie zu verfolgen, lässt er Melodien natürlich entstehen und gleichzeitig gotische Texturen, doomlastige Rhythmen und spärliche, black-metal-artige Ausbrüche koexistieren. Die sechs Tracks sind prägnant und dennoch emotional aufgeladen. Das macht das Album für Zuhörer, die melancholischen, immersiven Metal gegenüber purer Brutalität bevorzugen, sehr zugänglich.
Ich muss aber auch zugeben, dass mich jetzt keiner der Songs wirklich umhaut und so gehen die kurze halbe Stunde Spielzeit vorbei, ohne dass ich irgendwann mal aufgehorcht hatte. Puristen, die nach Geschwindigkeit oder Wut suchen, werden «Amid» wohl nichts abgewinnen, Fans von atmosphärischem Black Metal, Darkwave-beeinflusstem Gloom und introspektivem Gothic Rock hingegen werden einiges finden, in dem sie eintauchen können. Ein genreübergreifendes Kapitel eines Künstlers, der sich weigert, stillzustehen.
Lukas R.