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Grundsätzlich bin ich Industrial-Sounds gegenüber offen, wenn zumindest 50% Gitarren mit im Spiel sind. Weniger macht es für mich schwierig, da man sich, meiner Meinung nach, nicht mehr in einem der Metal-Genres tummelt, sondern vollends im Bereich der EBM (Electronic Body Music) angekommen ist.
Dennoch nehme ich mir heute mutig das neue Album der Industrial-Veteranen COMBICHRIST vor. «The Venom In The Mouth Of God» heisst das gute Stück und ist Combichrists bislang umfangreichstes Album. Ein dreizehn Tracks umfassender Abstieg in die Kluft zwischen dem, was wir sind, und dem, als was wir uns geben. Über die gesamte Spielzeit hinweg treibt Gründer und Frontmann Andy LaPlegua die für die Band charakteristische Verschmelzung aus EBM und Metal voran. Wobei, die charakteristische Verschmelzung kommt eigentlich nur bei «Only Here For A Good Time» «Venom» und «Rise» zum Tragen. Bei den restlichen zehn Tracks handelt es sich meines Erachtens um reine Electronica.
Da helfen auch die Promo-Zeilen wenig, dass der Longplayer eine Zusammenarbeit mit der Nu Metal Band King 810, in Form von «Demons Wanna Be Summoned», enthält. Man hört es schlicht nicht! Um fair zu bleiben, muss ich wohl an der Stelle betonen, dass dieses Album keineswegs schlecht ist, nur weil es nicht Metal ist. Von «ODR» bis «The Second Ending (We Have Been There Before)» liefern Combichrist dichte, mechanisierte Industrial-Klänge. Dazwischen verschiebt sich die Stimmung immer mal wieder. «Each Scar A Vision» und «The Way We Want To Be Seen» reduzieren das Ganze auf etwas sehr Introspektiveres.
Sie sezieren die Masken, die Menschen aufsetzen, und die inszenierten Selbstbilder, die sie zur Schau stellen. Mit einem Repertoire, zu dem Alben wie «Making Monsters», «One Fire» und das 2024 erschienene «CMBCRST» gehören, hat sich das norwegische Projekt durch unermüdliche Tourneen und geballte Live-Shows, eine weltweite Fangemeinde aufgebaut. Fans, die Combichrist bereits verehren, werden auch an «The Venom In The Mouth Of God» ihre helle Freude haben. Wer hingegen auf krachende, elektronisch unterstützte Gitarren-Musik à la Fear Factory oder Die Krupps steht – Finger weg!
Oliver H.