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Mit «The Fellowship» erschafft Dave Brons eine musikalische Reise, die sich anfühlt wie ein leiser Schritt durch bekannte, und doch immer wieder neue Pfade Mittelerdes. Mit dabei: Troy Donockley (Nightwish) – bekannt für seine unverwechselbaren Pipes und Folk-Klänge.
Vom ersten Ton an entfaltet sich jene besondere Spannung, die man aus Tolkiens Welt kennen: die friedliche Geborgenheit des Auenlandes – und das kaum wahrnehmbare, aber stetige Näherkommen der Dunkelheit. Mit diesem Album erreicht Dave Brons einen neuen künstlerischen Höhepunkt – nicht durch blosse Vergrösserung des Umfangs, sondern durch die Verfeinerung des Zusammenspiels von Emotion, Klangtextur und Komposition in einem wahrhaft fesselnden Hörerlebnis. Dies ist ein Album, das von Kontrasten lebt: zwischen Stille und Erhabenheit, Zerbrechlichkeit und Kraft, Intimität und filmischer Weite.
Der Eröffnungstrack, «Shadows in the Past», gibt sofort den Ton an. Eine einsame Klaviermelodie vermittelt ein Gefühl stiller Besinnung, bevor sich die Musik allmählich zu einer vielschichtigen Orchestrierung und Brons' charakteristischer Gitarrenphrasierung ausweitet. Auffällig ist hier, wie natürlich sich der Track entwickelt – niemals erzwungen, immer organisch – bis Chöre und mitreissende Arrangements das Gefühl erwecken, zu etwas zu erwachen, das grösser ist als man selbst. Es ist weniger ein Intro als vielmehr eine Schwelle.
«Nameless Fear» verändert die Klangpalette dramatisch. Der schwerere Gitarren-Sound sorgt für eine schärfere Kante, die fast schon an Tolkien-inspirierten Progressive Rock grenzt. Doch trotz seiner Wucht vermeidet der Titel jede Bombastik um ihrer selbst willen. Der Gesang – zurückhaltend, fast geisterhaft – schwebt über der Instrumentierung, anstatt mit ihr zu konkurrieren, und erinnert eher an die zurückhaltende Eleganz von Sally Oldfield als an die theatralische Übertreibung des Symphonic Metal.
Ein atmosphärisches Highlight ist «Over the River”. Der Einsatz keltischer Dudelsäcke verändert sofort die emotionale Farbgebung und verankert das Stück in etwas Erdverbundenem und Menschlichem. Der rhythmische Puls – in seiner Beharrlichkeit fast tribal – erzeugt Vorwärtsbewegung, während Brons’ Gitarre wie eine leitende Stimme darüber schwebt. Das Solo in der zweiten Hälfte ist einer jener seltenen Momente, in denen Technik in reines Gefühl übergeht: unverkennbar sein, sofort wiedererkennbar.
Das erste instrumentale Herzstück, «Aragorn», demonstriert Brons’ kompositorische Intelligenz. Es beginnt mit einem einfachen melodischen Motiv, bevor es sich allmählich zu etwas Grösserem entfaltet, getragen von marschierender Percussion und sich entwickelnden harmonischen Schichten. Das wiederkehrende Thema, subtil variiert, verleiht dem Stück Zusammenhalt und lässt gleichzeitig emotionale Entwicklung zu. In der Phrasierung gibt es flüchtige Anklänge an Steve Vai, doch Brons verliert nie seine eigene Identität.
Die ruhigeren Momente des Albums sind ebenso wesentlich. «The Road Goes Ever On» und «Just One More Step» reduzieren den Klang auf Klavier, Akustikgitarre und perligen Gesang. Diese Stücke atmen. Sie lassen Stille und Raum Teil der Komposition werden und schaffen ein Gefühl der Verletzlichkeit. Wenn sich die Musik schliesslich wieder aufbaut, ist die Wirkung verdient und nicht aufgezwungen. «Fight to the Ford» bringt mit komplexer Gitarrenarbeit und wechselnden rhythmischen Strukturen erneut Dringlichkeit ins Spiel.
Hier schwingt ein subtiler neoklassischer Touch mit – vielleicht eine entfernte Anspielung auf Yngwie Malmsteen –, der jedoch stets durch Brons’ melodische Sensibilität gefiltert wird. Besonders wirkungsvoll ist die abrupte Rückkehr zu einem einsamen Klavier am Ende, die die Intensität in Stille versinken lässt. Eines der ambitioniertesten Stücke des Albums, «The Mines Of Moria», präsentiert rhythmische Überlagerungen und technische Präzision, ohne dabei die Atmosphäre zu opfern.
Brons selbst bemerkte dazu: "Ich bin sehr stolz auf den Arpeggio-Part in «Mines of Moria» – es ist eine raffinierte Technik, die ich dafür verwende." Dieser Abschnitt besticht nicht nur durch seine Ausführung, sondern auch dadurch, wie er die narrative Spannung vorantreibt. Spätere Titel wie «The River Anduin» erforschen durch wechselnde Dynamik und sich entwickelnde Gitarren-Linien Fluidität und Bewegung, während «Fellowship» das offen orchestralste und bombastischste Statement des Albums liefert – bevor es sich in der Mitte bewusst in experimentelleres Terrain auflöst.
Mit dem Abschluss-Stück «Let the River Take Him» kehrt das Album zur Zurückhaltung zurück. Die Melodie trauert, versinkt jedoch nie in Verzweiflung – stattdessen bietet sie eine ruhige, würdevolle Auflösung. Letztendlich ist The Fellowship erfolgreich, weil es versteht, dass es bei wahrhaft epischer Musik nicht um ständige Intensität geht, sondern um Kontrast, Tempo und emotionale Wahrheit. Dave Brons spielt nicht nur Gitarre – er erzählt durch sie.
Lukas R.