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EKTOMORF begaben sich in einer schwierigen Zeit ins Studio. Zoltán "Zoli" Farkas hatte mit einem persönlichen Verlust zu kämpfen und kam nicht etwa mit fertigen Songs an, sondern bloss mit einer Handvoll Ideen und dem Bedürfnis, diese in etwas Konkretes umzuwandeln. Das Endergebnis ist das nun vorliegende Album «Heretic», das von Tue Madsen im "Antfarm Studio" in Dänemark produziert und in kurzer Zeit geschrieben wie fertiggestellt wurde.
Mit den zehn Songs kehren Ektomorf zu ihren Wurzeln zurück, die besonders von langjährigen Fans geschätzt werden dürften. Doch was heisst im Fall von Ektomorf eigentlich "back to the roots"? Klar ist, die Truppe spielt diesen harten, groovigen Sound technisch einwandfrei. Leider auch ein Fakt ist, dass sich jedes neue Ektomorf-Album so anhört, als sei dieses bereits vorgängig von einer anderen Band produziert worden. «Heretic» ist musikalisch gut, aber dennoch ein gewisses Slipknot-Mashup, klischeehaft, an vielen Stellen nichtssagend und repetitiv. Böse Zungen behaupten sogar, dass es immer darauf ankommt, welches Merchandise der Sänger und Gitarrist im Vorfeld trägt. Trug er doch 2021 Metallica-Klamotten, produzierte er ein Metallica-Album.
Mir persönlich ist der Mann sympathisch und irgendwie tut er mir leid, denn ehrlich gesagt habe ich Ektomorf in ihren Anfängen sehr gemocht. Bereits beim Zweitwerk «Ektomorf» (1998) wurde gemunkelt, dass der Sound gewisse Affinitäten zu anderen Bands hätte, diese aber über die nächsten Werke ausgemerzt werden könnten. Leider haben die Abklatsch-Elemente über die Jahre mehr zu- statt abgenommen. Ich werde das Gefühl nicht los, dass der Mann seit 1994 seinen Sound sucht und ihn einfach nicht findet! Diese Tatsache ändern auch die vielzähligen Schimpfwörter und die Wut nicht, die in «Heretic» gelegt wurden.
Auch der Verschleiss von dreizehn Musikern, in den letzten dreissig Jahren, lässt vielleicht darauf schliessen, dass im Hause Ektomorf nicht immer Einigkeit in Stil und Hierarchie herrscht. Aller Schmähungen zum Trotz schafft es die ungarische Truppe noch immer, Tourneen in Europa und den USA erfolgreich zu realisieren, doch langsam aber sicher habe auch ich die Hoffnung aufgegeben, dass Farkas noch etwas wirklich Eigenes auf die Beine stellen und zu den ganz Grossen des Business gehören wird. «Heretic» - eine tolle Platte, wenn es sie nicht schon tausendfach geben würde.
Oliver H.