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Mit «The Cries Of Evil» präsentieren EVOKED ECLIPSE ein Debüt-Album, das die Sprache des nordischen, atmosphärischen Extreme Metal fliessend beherrscht. Es handelt sich um melodischen Death/Black Metal, geprägt von kalten Melodien, zurückhaltender Aggression und einer starken emotionalen Unterströmung - genau die Eigenschaften, die für mich nach wie vor das Besondere an diesem Bereich des Extreme Metal ausmachen.
Unter der Leitung von Max Havler (ex-Ophidian, ex-Shrivel) schöpft Evoked Eclipse stark aus der skandinavischen Black- und Death-Metal-Tradition. Der Kern des Albums liegt in der Balance zwischen scharfem, tremolo-getriebenem Black Metal und der traurigen, melodischen Sensibilität des frühen skandinavischen Death Metal. In den drängenden Riffs und dem Vorwärtsdrang tauchen Echos von Dissection und Naglfar auf, während die eher introspektiven Passagen an die formative Epoche von Dark Tranquillity und die düstere Melancholie erinnern, die einst von Katatonia erkundet wurde. Diese Einflüsse werden offen getragen, doch die Band vermeidet es, derivativ zu klingen, indem sie sich mehr auf Atmosphäre und Songfluss als auf technische Übertreibungen konzentriert.
Das Hören von «The Cries of Evil» fühlt sich an, als würde man sich durch eine düstere, ritualistische Landschaft bewegen, in der Gewalt und Reflexion nebeneinander existieren. Die Tracks schreiten mit überzeugender Geschwindigkeit voran, ohne sich ausschliesslich auf konstante Blast Beats zu verlassen, und der rohe Gesang bleibt ausdrucksstark, ohne zu überwältigen. Dezente Keyboard-Layers und gelegentliche klare oder weibliche Vocals bereichern die Klanglandschaft, ohne ihre Dunkelheit zu verwässern; sie verleihen ihr Tiefe statt nur Dekoration.
Die Produktion ist klar, aber organisch, und bewahrt das natürliche Gefühl der Drums sowie die Rauheit der Gitarren. «The Cries Of Evil» definiert das Genre nicht neu, bietet aber ein kohärentes, emotionales Erlebnis. Für Zuhörerinnen und Zuhörer, die sich zu melodischem, atmosphärischem Death und Black Metal in der klassischen, skandinavischen Tradition hingezogen fühlen, ist dieses Debüt-Album absolut hör- und kaufenswert. Leider sehe ich noch keinen angesagten Tour-Termin, der zu uns ins Alpenland führt.
Lukas R.