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Jack Harlon ist keine reale Person, sondern eine fiktive Outlaw-Figur, erschaffen von Tim Coutts-Smith, dem Kopf von JACK HARLON & THE DEAD CROWS. Seit den frühen Veröffentlichungen dient Jack Harlon als erzählerisches Zentrum der Band: ein Western-Drifter in einem leicht futuristischen Grenzland, der reale Menschen, Erfahrungen und innere Konflikte widerspiegelt.
Statt autobiografisch zu schreiben, übersetzt die Band persönliche und gesellschaftliche Themen in Geschichten rund um diese Figur. Auf «Inexorable Opposites» tritt Jack Harlon stärker als Symbol auf denn als klassische Hauptfigur - weniger Outlaw mit Revolver, mehr Projektionsfläche für innere Gegensätze, mentale Belastung und die Widersprüche des modernen Lebens. Er ist der Schatten, der mitreitet, nicht der Held, der siegt.
Musikalisch ist Jack Harron untrennbar mit dem nach ihm benannten Sound verbunden. Der Charakter lebt in den Riffs. Auf «Inexorable Opposites» bewegen sie sich wie der Schatten eines Gesetzeshüters bei Sonnenuntergang: langsam, schwer und unvermeidlich. Dicke Fuzz-Schichten schleifen über den Boden und leihen sich Gewicht aus Doom- und Stoner-Rock, während sich psychedelische Leads wie Luftspiegelungen über Wüstensalzebenen nach aussen winden.
Es gibt eine starke filmische Anziehungskraft – man kann die Echos von Spaghetti-Western-Soundtracks hören, die sich unter der Verzerrung verstecken und durch moderne Verstärkung gedehnt und verzerrt werden. Die Rhythmusgruppe gibt das Tempo vor. Seit dem Einstieg des neuen Drummers Brayden Becher wirken die Trommeln wie neu geölt und zugleich gefährlicher. Becher spielt nicht auf Effekthascherei, sondern auf Wucht und Kontrolle.
Seine Schläge tragen eine neu geschärfte Autorität in sich, die den Songs mehr Vorwärtsdrang verleiht. Er wechselt souverän zwischen schwerfälligen, hufartigen Grooves und plötzlichen Ausbrüchen, die sich anfühlen wie eine wilde Verfolgungsjagd durch offenes Gelände – präzise, druckvoll und stets im Dienst der düsteren Erzählung. Die tiefen und physischen Basslinien verankern die Songs in ihrer Rauheit und Schwere und sorgen dafür, dass die Musik nie zu lange in Abstraktion versinkt.
Gesanglich bleibt die Darbietung bodenständig und menschlich. Es geht nicht um Stimmumfang oder Theatralik, sondern um Präsenz: eine verwitterte Stimme, die Geschichten über das Knistern übersteuerter Lautsprecher erzählt. Die Melodien sind zurückhaltend und dennoch einprägsam. Oft entstehen sie langsam, wie der Horizont, der sich nach stundenlanger Fahrt offenbart. Insgesamt gibt die Musik Jack Harlon sein Terrain.
Ohne diese Riffs, diese Schwere, diese Geduld wäre er nur eine weitere Outlaw-Geschichte. Stattdessen klingt «Inexorable Opposites» wie eine lange Fahrt durch feindliches Land: anstrengend, nachdenklich und seltsam beruhigend - wenn man weiss, wie man zuhört. Charles Bronson: "Hey Baby, steig auf, lass uns beide, du und ich lass uns jetzt nach Las Vegas reiten, die Sonne putzen!" (aus "Cowboy-Romantik" von Udo Lindenberg)
Lukas R.