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"…Die einzige vollständige Probe fand vor der ersten Show statt…"
Manu Schütz (von Good News und gute Seele als Verantwortlicher für die Fotographen bei den Konzerten) ist dieses Interview zu verdanken. Da Teemu Mäntysaari, der neue Gitarrist bei Megadeth (seit 2023), zu seinem Freundeskreis gehört, nahm ich die Möglichkeit wahr, mit dem Finnen ein spannendes Interview zu führen. Dass Megadeth und Bandleader Dave Mustaine (Gesang, Gitarre) kürzlich mit dem Abschiedswerk «Megadeth» einen Meilenstein in der Geschichte des Thrash Metals veröffentlicht haben, ist allen bewusst. Wie es aber dazu gekommen ist, wie Teemu seinen Platz in der Band gefunden hat und was wir von den Abschieds-Shows erwarten können, darüber berichtet der Gitarrist, der neben James LoMenzo (Bass, ehemals White Lion) und Dirk Verbeuren (Drums, mit riesigem Palmarès) das Line-up vervollständigt.
MF: Hallo Teemu, vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst.
Teemu: Hallo Tinu. Schön, dich kennenzulernen, und es ist mir eine Freude!
MF: Wie bist du zu Megadeth gekommen?
Teemu: Im Jahr 2023 kontaktierte mich Kiko Loureiro wegen einer möglichen Vertretung bei Megadeth. Ich schickte ihm Videos von meinen Proben, bereitete das komplette Set vor und etwa eine Woche vor der Tour hatte ich mein US-Visum in der Hand. Nach dieser Tour wurde ich gefragt, ob ich dauerhaft beitreten möchte.
MF: Gab es ein Vorspielen, und wie hast du das empfunden?
Teemu: Ja, im Grunde habe ich Videos von meinem Spiel geschickt, mit den Jungs telefoniert und sie persönlich getroffen. Bei den Videos habe ich mich darauf konzentriert, die Songs schnell, aber präzise zu lernen, wobei ich auf Details und Phrasierung geachtet habe. Es war intensiv, aber auch sehr motivierend.
MF: Wie war es für dich, zum ersten Mal mit Megadeth im Proberaum zu sein und dich auf die Shows vorzubereiten?
Teemu: Der erste richtige Moment war eigentlich beim "Wacken Open Air", wo ich «Angry Again» mit der Band während des Soundchecks gespielt habe. Die einzige vollständige Probe fand vor der ersten Show statt. Danach ging es direkt auf Tour.
MF: Wie viel Respekt hattest du vor Dave und James, die beachtliche Erfolge feierten und in den 80ern viel Erfahrung gesammelt hatten?
Teemu: Enorm viel. Mit Dave und James zu spielen, Musikern, die das Genre mitgeprägt haben, ist sowohl inspirierend, als auch mit viel Demut verbunden. Nicht zu vergessen Dirk, der ein absolutes Monster hinter dem Schlagzeug ist!
MF: Wie leicht oder schwer war es für dich, bei Megadeth einzusteigen und deinen eigenen Platz zu finden?
Teemu: Es fühlte sich überraschend natürlich an. Das Erbe bringt zwar Verantwortung mit sich, aber ich habe auf meine Fähigkeiten vertraut. Die Band war sehr aufgeschlossen, was den Übergang reibungslos machte.
MF: Wie gross war der Druck, deine Vorgänger bei Megadeth zu ersetzen?
Teemu: Natürlich gibt es einen gewissen Druck, da die Band schon viele legendäre Gitarristen hatte. Aber ich versuche, mich darauf zu konzentrieren, meine Aufgabe gut zu machen, anstatt mich zu vergleichen. Diese Einstellung hilft mir positiv zu bleiben und sie als Quelle der Inspiration zu sehen, statt als negativen Druck.
"…Ich versuche, den Original-Versionen so treu wie möglich zu bleiben…"
MF: Du spielst Songs, die damals von Marty Friedman, Kiko Loureiro, Jeff Young oder Chris Poland aufgenommen wurden. Versuchst du, deinen eigenen Stil einzubringen?
Teemu: Ich versuche, den Original-Versionen so treu wie möglich zu bleiben. Die Fans wollen diese Soli so hören, wie sie sie kennen. Mein eigener Stil kommt ganz natürlich in kleinen Details zum Ausdruck und jetzt natürlich auch in den Soli des neuen Albums.
MF: In dieser Band zu spielen, kommt dies einem wahrgewordenen Traum gleich?
Teemu: Auf jeden Fall! Ich wollte schon immer in einer Band spielen, Musik schreiben und auf Tour gehen. Aber das auf diesem Niveau mit Megadeth zu tun, ist etwas, wofür ich sehr dankbar bin.
MF: Was hat sich für dich verändert, seit du bei Megadeth spielst? Als Musiker, Performer und
Mitglied von Megadeth.
Teemu: Ich habe viel gelernt, sowohl musikalisch als auch beruflich. Teil einer Band mit dieser Geschichte zu sein, lehrt einen, wie die Dinge auf jeder Ebene funktionieren.
MF: Welche Erinnerungen hast du an vergangene Konzerte?
Teemu: Es gab so viele fantastische Konzerte. Das erste Konzert in Albuquerque ist unvergesslich.
Südamerika war unglaublich. Riesige Menschenmengen und eine fantastische Energie. Ich kann es kaum erwarten, im April und Mai dorthin zurückzukehren. Unsere letzte Tournee in Kanada war fantastisch. Und im Hallenstadion zu spielen, während Familie und Freunde zuschauten, war etwas ganz Besonderes für mich.
MF: Wie gross ist dein Anteil zum neuen Album?
Teemu: Ziemlich stark. Ich habe viele Ideen mitgebracht, und wir haben auch gemeinsam im Studio geschrieben. Am Ende habe ich zu mehreren Songs und verschiedenen Aspekten der Produktion beigetragen. Dave hat eine klare Vision, ist aber auch sehr offen für Ideen. Diese Balance hat den Prozess sehr kooperativ gemacht.
MF: Lernst du von Dave oder bringt ihr euch gegenseitig Dinge bei?
Teemu: Ich lerne jeden Tag von ihm. Gleichzeitig ist er sehr aufgeschlossen, sodass auch ein Austausch von Ideen stattfindet. Das ist wirklich inspirierend.
MF: Wie siehst du das neue Album in der Diskographie von Megadeth?
Teemu: Es knüpft an das Erbe der Band an, fühlt sich aber dennoch frisch an. Man hört Elemente aus verschiedenen Epochen, aber es repräsentiert auch die Band, wo sie heute steht.
MF: Sind die neuen Songs spontan entstanden oder habt ihr lange daran gearbeitet?
Teemu: Einige Ideen waren schon im Vorfeld vorbereitet, während andere aus spontanen Jams im
Studio entstanden sind.
MF: Befinden sich Songs auf dem neuen Album, die dir besonders gut gefallen?
Teemu: Die Wahl fällt mir schwer, aber besonders gefallen mir die Tracks, die wir gerade live spielen: «Tipping Point», «I Don’t Care» und «Let There Be Shred». Sie entwickeln sich auf der Bühne weiter und wirken dort noch lebendiger.
"…Ein Teil des Spasses besteht immer darin, an Grenzen zu gehen…"
MF: Gibt es Songs auf dem neuen Album, die dich beim Spielen herausgefordert haben?
Teemu: Ein Teil des Spasses besteht immer darin, an die eigenen Grenzen zu gehen. Parts zu entwickeln, die in gewisser Weise herausfordernd sind, aber trotzdem gut klingen. «Let There Be Shred» und «Obey The Call» haben mich dazu gebracht, Details zu verfeinern und mich wirklich auf Präzision zu konzentrieren. Songs wie «Puppet Parade» und «Hey God» erforderten spezifische Grooves. In meinen Soli versuche ich auch immer neue Ideen zu entwickeln.
MF: Meiner Meinung nach ist «Megadeth» ein absolutes Meisterwerk geworden! Wie zufrieden bist du mit dem Endergebnis?
Teemu: Das freut mich zu hören, Tinu! Ich bin sehr zufrieden damit und insgesamt denke ich, dass es den aktuellen Stand der Band wirklich gut widerspiegelt.
MF: Jetzt steht die Abschieds-Tournee an. Wie gehst du damit um?
Teemu: Im Moment liegt der Fokus darauf, grossartige Shows zu spielen. Es liegt noch Zeit vor uns, also wollen wir das Beste aus jedem Auftritt machen.
MF: Wie werdet ihr die Setliste zusammenstellen? Es gibt einige neue Stücke die ihr spielen solltet, aber auch viele Hits aus der jüngeren und ferneren Vergangenheit.
Teemu: Es geht um die Balance. Wir haben Kernstücke die wir immer spielen, aber wir wechseln auch das Material. Wir haben derzeit einen grosses Repertoire an Songs, sodass wir das Set abwechslungsreich halten und vermeiden können, dasselbe Set zu wiederholen, sollten wir in
eine Stadt zurückkehren. Wir versuchen immer, Klassiker, neue Songs und auch einige weniger bekannte Stücke einzubauen.
MF: Wie wirst du dich fühlen, wenn du beim letzten Konzert mit Megadeth die letzte Note spielst?
Teemu: Das wird auf jeden Fall sehr emotional sein, aber darauf konzentriere ich mich noch nicht. Im Moment geht es mir um die Gegenwart.
MF: Was waren deine Ziele und Träume, als du mit der Musik angefangen hast?
Teemu: Musik zu schreiben, in Bands zu spielen und auf Tour zu gehen. Ich habe das Glück, das seit vielen Jahren professionell tun zu können.
MF: Hast du dir jemals erhofft, in einer Band wie Megadeth spielen zu können?
Teemu: Nicht wirklich. Das schien immer utopisch zu sein, beziehungsweise, dass ich es mir überhaupt vorstellen konnte. Was es jetzt umso spezieller macht.
MF: Das Ende von Megadeth ist absehbar und wird in fünf Jahren eintreten. Würdest du dir nicht wünschen, dass die Zeit mit Megadeth weitergehen würde?
Teemu: Natürlich! Aber im Moment liegt der Fokus darauf, das Beste aus der Zeit zu machen, die wir haben, und den Fans das bestmögliche Erlebnis zu bieten.
MF: Ich habe Dave Mustaine als sehr einfühlsamen Menschen kennengelernt. Wie siehst du ihn als Person, was hat dich überrascht und was lernst du von ihm?
Teemu: Er ist sehr unterstützend und leidenschaftlich. Was besonders auffällt, ist sein Engagement. Er lebt und atmet Megadeth. Ich lerne ständig von ihm, sowohl musikalisch als auch persönlich.
MF: Vielen Dank für deine Antworten. Ich wünsche dir alles Gute für die Zukunft, bleib gesund und freue mich darauf, dich bald in Zürich auf der Bühne zu sehen.
Teemu: Danke Tinu, das weiss ich sehr zu schätzen. Ich freue mich auf die Show in Zürich!