Montag, 22. Juni 2026

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Sonntag, 08 März 2026 16:56

Heaven Shall Burn – The Halo Effect – The Black Dahlia Murder – Frozen Soul in Zürich

08. März 2026, Zürich – Halle 622
Text by Oliver H. / Pics by Oliver H. & Hansruedi W.

Das deutsche Schlachtschiff Heaven Shall Burn hat im Juni 2025 mit seiner aktuellen Veröffentlichung, «Heimat», ordentlich für Furore gesorgt. Nach einigen Release-Shows der Schock! Die Thüringer mussten während der Festival-Saison 2025 auf ihren Sänger Marcus Bischoff verzichten, der mit einer hartnäckigen Halsinfektion zu kämpfen hatte. Nun ist der Frontmann vollständig genesen, und der fünfköpfige Tross visiert derzeit viele grössere Veranstaltungsorte an. Glücklicherweise machte die «Heimat Over Europe 2026»-Tour auch in der Halle 622 in Zürich Halt, denn das Package dieser Tour ist echter Leckerbissen. Neben HSB sind nämlich auch die Supergroup The Halo Effect, The Black Dahlia Murder und Frozen Soul mit von der Partie. Dieser Abend hat klar das Potenzial, die Venue abzureissen.

Frozen Soul
Die Halle 622 war noch sehr spärlich gefüllt, als die Texaner Frozen Soul, an diesem milden Sonntagabend die Bühne betraten. Die todesmetallischen Schwergewichte aus den USA sind bekannt für ihren intensiven, riffbetonten Sound und boten den perfekten Einstieg in diese Konzertreihe. Der Frontmann Chad Green zog schnell die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich und ordnete bereits im ersten Song einen Circle-Pit an. Seine bellende Stimme drang beeindruckend durch die Halle, und in Kombination mit den garstigen Death Metal-Riffs gelang es Frozen Soul problemlos, die wachsende Menschenmenge in Bewegung zu versetzen.

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Während draussen der Frühling anklopfte, sorgte der Fünfer im Inneren für eine frostige Stimmung. Auf Circle-Pits folgten Mosh-Pits und auf diese erneut Circle-Pits. Die Fans waren definitiv warmgelaufen und bereit den kommenden Bands aus der Hand zu fressen. Bei aller Härte zeigten die Metaller wieder einmal mehr, dass sie auch ein grosses Herz haben. Vor «No Place Of Warmth» hielt Green eine bewegende Ansprache zum Thema mentale Gesundheit. Frozen Soul lieferten einen schnörkellosen Auftritt ab, und sorgten während 30 Minuten für eine exzellente Performance, die sogar die Leute am Merchandise-Stand in die Halle zog.

Setliste: «Encased In Ice» - «Absolute Zero» - «Chaos Will Reign» - «Morbid Effigy» - «Sample» - «No Place Of Warmth» - «Arsenal Of War» - «Invoke War» - «Crypt Of Ice»

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The Black Dahlia Murder
The Black Dahlia Murder waren mir stets ein Begriff, jedoch kannte ich keinen Song der Band, noch hatte ich sie je live gesehen. Neuland also! Meine Erwartungen waren demzufolge gering, als die aus Detroit stammende Truppe loslegte. An der Performance der Band konnte es eigentlich nicht liegen, aber irgendwie wollte der Funke, über mehrere Songs hinweg, einfach nicht richtig überspringen. Im Vergleich zu Frozen Soul fehlte der Druck und die Power, die es benötigt hätte, um die Menge wirklich zu bewegen. Dass es an den gelegentlich eingespielten Samples, aus Fernsehsendungen der 60er und 70er Jahre lag, die die Intensität bremsten, ist eine blosse Vermutung.

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Irgendwie hatten The Black Dahlia Murder ihre musikalischen Bremsen an diesem Gig nicht ganz gelöst. Der Stimmung tat dies allerdings keinen Abbruch, denn die Hardcorefans feierten ihre Band richtig ab. Ihr Set basierte hauptsächlich auf dem «Servitude»-Album, doch mit «A Vulgar Picture» wurde auch ein Ausflug zurück ins Jahr 2005 unternommen. Nach einer 35-minütigen Show, ohne grosse Bewegungen oder künstlerischer Einlagen, verliess die Truppe unter Beifall die Bühne, die in der nachfolgenden Umbaupause aufs Doppelte anwachsen sollte.

Setliste: «What A Horrible Night To Have A Curse» - «Kings Of The Nightworld» - «Aftermath» - «A Vulgar Picture» - «Mammoth's Hand» - «Cursed Creator» - «Nightbringers» - «Everything Went Black» - «Utopia Black»

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The Halo Effect
Meine Güte! Danach wurde es episch. Wo Mikael Stanne draufsteht, ist bekanntlich Qualität drin! Der Mann, der niemals ruht, fand zwischen Dark Tranquillity, Cemetery Skyline und Grand Cadaver nun die Zeit, mit The Halo Effect auf Tour zu gehen. Leider, dies schicke ich bereits einmal voraus, war ihr Set mit 45 Minuten Spielzeit viel zu kurz. Dennoch reichte dies den Schweden aus, um sich auf die Highlights ihrer beiden bisherigen Alben zu konzentrieren. Die Setlist wurde zu gleichen Teilen auf «Days Of The Lost» und «March Of The Unheard» verteilt. Das gedämpfte Licht, das die Silhouetten der Musiker umspielte, war gemeinsam mit dem Intro ein toller Einstieg ins Set. Stanne und Gitarrist Niclas Engelin waren von Beginn weg sehr aktiv, und nutzten die Grösse ihrer Bühne vollends aus.

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Qualitativ war ihr Sound, vom ersten Ton an, hochstehend und sorgte für eine geballte Ladung Gänsehaut. Die Kombination aus technischer Raffinesse und enormer Spielfreude der Musiker, liess die Menge abgehen. Stanne und Engelin konnten sich über die gesamte Spielzeit das Grinsen nicht aus dem Gesicht wischen. Verständlich, denn vom Publikum kam so viel positive Resonanz. Die Twin-Gitarren-Melodien durchströmten die Halle und Stannes kehliger Gesang verlieh jedem Song die richtige Portion Düsternis. Der Fünfer hatte, ganz zu meiner Freude, auch eine Live-Premiere im Gepäck. «Our Channel To The Darkness» wurde zur Setlist hinzugefügt, was mehr als ein gefundenes Fressen darstellte. Dies wurde anhand des Publikums deutlich, das vor der Bühne stand und spontan kleine Circle-Pits starteten.

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Die melodische Interpretation ihres Göteborger Todesmetals stand ganz im Kontrast zur Brutalität von Frozen Soul und dem eher chirurgischen Ansatz von The Black Dahlia Murder. «Shadowminds» setzte schliesslich den Schlusspunkt ihres Gigs, der mit seinen grossartigen Melodien und seiner Rohheit die Menge nochmals fesselte. Die Stimmung kochte, und als die fünfköpfige Band schliesslich die Bühne verliess, gab es ausdauernden, herzlichen Applaus und eine begeisterte Fangemeinde, die etwas traurig war, sich aber doch auf den Headliner des Abends freute.

Setliste: «Intro» - «March Of The Unheard» - «Feel What I Believe» - «The Needless End» - «Detonate» - «Become Surrender» - «Gateways» - «Our Channel To The Darkness» - «Between Directions» - «A Truth Worth Lying For» - «Shadowminds» - «Outro»

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Heaven Shall Burn
Was ist eigentlich der Trumpf von Heaven Shall Burn? Wenn der Thüringer Fünfer loslegt, steht die Welt für einen Sekundenbruchteil still! Ausgestattet mit den Songs aus ihrem aktuellen Album «Heimat», eröffnete «War Is The Father Of All» den schweisstreibenden Reigen. Vom ersten gespielten Riff an, waren die Fans völlig aus dem Häuschen, und dies sollte sich bis zum Ende ihres Sets auch nicht mehr ändern. Die folgenden 80 Minuten bestanden aus sorgfältig zusammengestellten Klassikern wie «Armia» und «Counterweight» und neueren Songs. Durch den aggressiven Sound und die Power, die von der Bühne kam, lancierten sich erste Crowd-Surfer-Wellen. Die Band wirkte topfit, war aktiv und suchte intensiv den Kontakt zum Publikum.

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Die beiden Gitarristen Maik Weichert und Alexander Dietz nutzten die Bühne vollends aus, indem sie unzählige Kilometer abspulten. Sänger Marcus Bischoff suchte oft die Nähe der Fans, indem er sich immer mal wieder auf die Lautsprecher vor den Monitoren stellte, und sein Bruder Eric Bischoff zeigte stets, was ein richtiger ?Propeller” ist. Das Politische spielte zu meiner Überraschung, trotz der aktuellen Weltlage, nur am Rande eine Rolle. Gitarrist Weichert, bekannt für seine Ansagen, teilte nur kurz mit, weshalb es wichtig sei, seine Überzeugungen, angesichts populistischer Einflüsse zu bewahren und nicht bloss innerhalb der eigenen Blase zu leben. Man dürfe auch dankbar sein, in einem Land zu leben, das noch die Möglichkeit hat, über Diverses abzustimmen. Diese Aussage war sehr aktuell, da die Schweiz, an diesem Tag, unter anderem über staatliche Fernsehgebühren abgestimmt hatte.

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Dann polterten Heaven Shall Burn unerbittlich weiter. Eigentlich wollte die Band das Publikum darüber abstimmen lassen, ob es einen riesigen Circle-Pit, ums Mischpult herum, veranstalten wolle, allerdings blieb dafür nicht genug Zeit, und so gab Marcus Bischoff schliesslich den sanften Befehl. Nachdem das Intro «Awoken» verklungen war, knallte das Riff von «Endzeit» die Fans an die Wand. Der Refrain „We are the final resistance? wurde von allen Kennern in der Halle mitgebrüllt, und der Song zählte sicher zu den Highlights des Abends. Die Show bot auch einen unerwarteten Moment. Nachdem die letzten Takte, vom Edge Of Sanity-Cover, «Black Tears», verstummt waren, positionierte sich Sänger "Molle” am Bühnenrand und verkündete, sehr zum Ungemach von Gitarrist Alex Dietz, dessen Geburtstag.

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Noch bevor der Sänger richtig darum bitten konnte, sangen die Fans bereits «Happy Birthday» aus vollen Kehlen. Sichtlich gerührt, wünschte sich der Axtschwinger noch zwei weitere Songs und jede Menge Circle-Pits im Publikum. Heaven Shall Burn beendeten ihr reguläres Set mit «Thoughts And Prayers», bevor sie für «The Weapon They Fear» und «A Whisper From Above» nochmals auf die Bühne zurückkehrten. Den Klassiker «Valhalla», von Blind Guardian, gab es dank grandioser Stimmung und enormer Spielfreude noch obendrauf. Wie gewohnt, lieferten Heaven Shall Burn ein gewaltiges Brett ab, voller Energie und exzellentem Sound. Dass die Truppe dabei noch verdammt sympathisch ist, gibt dem Ganzen Anlass noch etliche Zusatzpunkte. Spektakulär und einem Headliner mehr als würdig!

Setliste: «War Is The Father Of All» - «Voice Of The Voiceless» - «My Revocation Of Compliance» - «Godiva» - «Counterweight» - «Armia» - «Confounder» - «Endzeit» - «Black Tears (Edge Of Sanity cover)» - «Übermacht» - «The Martyrs' Blood» - «Thoughts And Prayers» -- «The Weapon They Fear» -- «A Whisper From Above» --- «Valhalla (Blind Guardian cover)»

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