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Metal Factory since 1999
08. Mai 2026, Allmendingen – Caligatus Open Air
Text by Lukas R. / Pics by LOR
Nachwuchs mit eigener Stimme: Lórien liefern ein erstaunlich reifes Debüt-Konzert. Zwar befindet sich mit «Little Folk» ein Song über Tolkiens Hobbits im Set – doch ähnlich wie in Tolkiens Geschichten, wächst auch dieses kleine, junge Volk musikalisch bereits erstaunlich über sich hinaus.
Vor einiger Zeit wurden die jungen Schweizer von Lórien an gleicher Stelle noch als mögliche, zukünftige Fackelträger des Tolkien- oder Fantasy-Rocks bezeichnet. Nach ihrem ersten eigenständigen Konzert kann man sagen: Das "zukünftig" darf man definitiv streichen.
Denn was die sechs Teenager bei ihrem rund einstündigen Solo-Auftritt auf die Open-Air-Bühne brachten, war weit mehr als nur sympathischer Nachwuchs-Bonus. Lórien verfügen bereits jetzt über ein erstaunlich starkes, eigenes musikalisches Profil. Die zehn gespielten Songs – bis auf ein Cover alles Eigenkompositionen - wirkten durchdacht, abwechslungsreich und voller musikalischer Überraschungen. Vieles davon klang bereits erstaunlich reif.
Stilistisch bewegt sich die Band weniger im Metal als vielmehr in einem emotionalen, literarisch geprägten Progressive Rock, der stellenweise an Anyone's Daughter erinnert. Dabei stehen nicht technische Selbstdarstellung oder überdrehte Virtuosität im Vordergrund, sondern Atmosphäre, Erzählkraft und Gefühl. Warme, teilweise melancholische Klanglandschaften treffen auf längere, erzählerische Kompositionen, Folk-Elemente und einen deutlichen Hang zu fantastischer Literatur. Vier Songs widmeten sich direkt Tolkien-Themen, ein weiterer der Artus-Sage. Fantasie ist auch sonst thematisch ein Hauptthema der Truppe.
Überraschend ist, dass neben der klassischen Rock-Besetzung mit drei Gitarren, Bass, Keys wie Percussion auch mittelalterliche Flöten und sogar ein Dudelsack zum Einsatz kommen. Als wäre das für Fantasy-Fans nicht schon nerdig genug, präsentierte die Band einen Song komplett in Quenya, einer von J. R. R. Tolkien erfundenen Elben-Sprache.
Natürlich merkte man Lórien noch etwas Nervosität an. Auch bei der Bühnen-Präsenz und den Bewegungen ist noch Luft nach oben. Doch genau diese fehlende Routine machte den Auftritt gleichzeitig sympathisch und authentisch. Lórien wirken eben noch nicht geschniegelt oder abgebrüht wie viele etablierte Acts, sondern wie eine Gruppe sehr junger Musiker, die ehrlich für ihre Musik brennen und noch ganz am Anfang ihrer Karriere stehen. Und genau deshalb funktionierte dieser Abend so gut.
Das Publikum tanzte begeistert mit, und Lórien bewiesen eindrucksvoll, dass sie bereits jetzt über genügend starkes Song-Material verfügen, um einen ganzen Konzert-Abend zu tragen. Die oft gedämpften Gitarren-Soli, die chorbetonten Gesänge und die verträumte Stimmung verliehen der Musik etwas Filmisches – wie der Soundtrack zu inneren Reisen, alten Mythen und fantastischen Welten.
Man spürt, dass die jungen Herren aus den Wäldern, aus der Natur kommen (Waldschule "Waldkinder Emmental"). Musik zum Träumen. Musik zum Mitfliegen. Lórien sind vielleicht tatsächlich eine der spannendsten jungen Progressive Rock Bands, die derzeit in der Schweiz heranwachsen. Seit Clepsydra hat es keine so interessante Schweizer Progressive Band mehr gegeben.
Setliste: «Intro» - «Lórien» - «Last Fight» - «Flash Over» - «King Artus» - «World In Shadows» - «One Day» - «Nirnat Arnoediad» - «Little Folk» - «There And Back Again» - «Dragon» - «King Artus»