Montag, 22. Juni 2026

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Freitag, 01 Mai 2026 21:15

Naxatras – Gavial Haze in Martigny

01. Mai 2026, Martigny - Les Caves du Manoir
Text by Lukas R. / Pics by Rita Mota / Les Caves du Manoir & LOR

Wenn Naxatras und Gavial Haze gemeinsam auf der Bühne stehen, entfaltet der Instrumental-Rock seine ganze Kraft: Kein Gesang, keine Ablenkungen – nur purer Klang, der seine eigene Geschichte erzählt. Was ihn so fesselnd macht, ist genau diese Freiheit, in der Gitarren, Bass und Rhythmus zur Sprache werden und die Zuhörer in etwas zutiefst Persönliches und fast Filmisches hineinziehen. Es ist nicht nur Musik die man hört, sondern Musik, die man interpretiert, fühlt und letztlich auf seine eigene Weise erlebt.

Gavial Haze
Eigentlich ist der Opening-Act ganz klar keine Band, die für die Rolle des "Vorprogramms" geschaffen ist. Sobald Gavial Haze aus La Chaux-de-Fonds die Bühne betreten, wird klar, dass sie hier sind, um einen neuen Massstab zu setzen. Musikalisch bewegen sie sich irgendwo zwischen instrumentalem Post-Rock, Heavy Psych und Stoner-Grooves, doch diese Beschreibung wird ihrer Wirkung kaum gerecht. Ihr Sound baut auf massiven, riffgetriebenen Fundamenten auf, wird jedoch ständig von melodischen, beinah erzählerischen Gitarrenlinien emporgehoben – ein Raum, in dem, wie oft gesagt wird, "die Gitarren die Sänger sind".

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Live wird dies noch deutlicher. Der Gitarrist steht im Mittelpunkt – nicht im egoistischen Sinne, sondern durch pure Kreativität. Sein Spiel wirkt rastlos und suchend. Es wechselt zwischen hochfliegenden Post-Rock-Höhepunkten und dichten, fuzzgetränkten Texturen. Es herrscht ein Gefühl von Struktur, aber auch von Freiheit, als könnte sich jedes Stück jeden Abend anders entfalten. Man spürt, dass sie eine Band sind, die darauf brennt, auf der Bühne zu stehen – und das passt zu ihrem Werdegang, denn seit ihrer Debüt-Veröffentlichung haben sie darauf gedrängt, so viele Live-Shows wie möglich zu spielen. In Martigny schlägt sich dieser Ehrgeiz in Präsenz nieder.

Setliste: «Propane Kid» - «Trainwreck» - «Lords of Wastelands» - «Bury the Sun»- «Stargazer XII» - «Redrum» - «Terraform»

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Naxatras
Dann folgten Naxatras – Von den ersten Tönen an trat die griechische Band nicht einfach nur auf, sondern öffnete einen Durchgang. Die offizielle Veranstaltungs-Beschreibung versprach einen "Trance-Zustand, geleitet von hypnotischen Jams, epischen Gitarren und orientalischen Einflüssen" – doch vor Ort, Schulter an Schulter mit dem Publikum, war das Erlebnis noch unmittelbarer: Man fühlte sich, als würde man in einen sich langsam entfaltenden Traum hineingezogen, aus dem man nicht aufwachen wollte.

Aus der Nähe beeindruckt vor allem das Gitarren-Spiel. Es ist fliessend, einfallsreich und ständig auf der Suche – nicht auffällig im Sinne technischer Selbstdarstellung, sondern explorativ. Der Gitarrist spielt weniger Riffs, sondern zeichnet vielmehr Wege, webt Melodien, die auf griechische modale Traditionen anspielen, bevor sie in etwas unverkennbar Nahöstliches übergehen. Es gibt Momente, in denen sich die Phrasierung fast wie bei einer Oud anfühlt, wobei die Töne mit einem subtilen mikrotonalen Einschlag gebogen werden, der dem gesamten Klang eine tiefe, uralte Resonanz verleiht.

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Und dann ist da noch die Percussion, die weitaus präsenter ist als auf der Platte und auch im Doppelpack vertreten ist. Was im Studio vielleicht im Hintergrund bleibt, wird hier zu einer treibenden, fast zeremoniellen Kraft. Live treibt sie die Musik nach aussen und fügt einen stammestümlichen, hypnotischen Puls hinzu, der an arabische und türkische Rhythmik erinnert. Man hört es nicht nur, man spürt es in der Brust, wo Herzschlag und Tempo miteinander verschmelzen.

Die Reaktion des Publikums sagte alles. Ein Besucher beschrieb es als "eine der besten Shows mit unglaublicher Energie und perfekter Kommunikation mit dem Publikum" – und diese Kommunikation ist der Schlüssel. Naxatras dominieren das Publikum nicht, sondern ziehen es in denselben Sog. Die Musik baut sich allmählich und geduldig auf, bis man plötzlich merkt, dass sich alle im Raum gemeinsam bewegen, gefangen in derselben Trance und wir alle mittanzen und grooven. Visuell entsteht kaum Ablenkung, kein überproduziertes Spektakel, was das Erlebnis nur noch intensiviert. In dieser Kulisse mit Steinwänden, die den Klang reflektieren und einer tief herabdrückenden Decke, scheint jedes Echo und jedes Delay ein wenig länger nachzuklingen. Dadurch wird der Raum selbst zu einem Teil des Instruments.

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Was dieses Konzert so besonders macht, ist nicht nur die psychedelische Reise, sondern auch die kulturelle Vielschichtigkeit, die dahintersteckt. Griechisches Erbe, östliche Tonalitäten und Space Rock Texturen verschmelzen zu etwas, das sich sowohl verwurzelt als auch jenseitig anfühlt. Am Ende geht man nicht mit der Erinnerung an einzelne Songs nach Hause. Man geht mit dem Gefühl, irgendwohin gereist zu sein, und mit dem Verdacht, diesen Weg ohne zu zögern wieder zu beschreiten, hätte man die Chance.

Setliste: «Spacekeeper» - «Journey To Narahmon» - «Celestial Gaze» - «Numenia» - «Breathing Fire» - «Legion» - «Utopian Structures» - «Sand Halo» - «The Battle Of Crystal Fields» - «Garden Of the Senses» - «Waves» - «I Am the Beyonder» - «The Citadel»

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Ein Wort muss noch zum Veranstaltungsort gesagt werden: Les Caves du Manoir in Martigny fühlt sich wie eine Kathedrale des Klangs an – ein gewölbter, unterirdischer Raum, in dem die Steinmauern und die niedrige Decke einen physisch in die Musik hineinziehen. Durch seine intime Grösse und die jahrhundertealte Atmosphäre wird jedes Konzert weniger zu einer Show, als vielmehr zu einem gemeinsamen, immersiven Ritual.

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