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Es gibt Bands, die mit der Dunkelheit kokettieren. Und dann gibt es MEPHISTOPHELES, das argentinische Trio, das offenbar beschlossen hat, dass Goethes "Faust" mehr Riffs, mehr Satan und deutlich weniger Subtilität braucht. (Und ja, der Name der Band ist tatsächlich von Mephistopheles aus Goethes "Faust" inspiriert.)
Ich hatte noch nie von ihnen gehört und als das Live-Album mit «Satan Sex Ceremonies» begann, fragte ich mich, ob es sich um eine Parodie handele. Es folgten «Whore», «Buried in Worms», «Trash Lord», «The Meaning of All Evil» ... Na gut, Jungs, wir haben’s kapiert - ihr seid die bösen Buben des Doom. Botschaft angekommen. Genervt versuchte ich, die Titel zu ignorieren und mich auf die Musik zu konzentrieren.
Ich höre zu …
Ich höre immer noch zu …
Musik? Nein. Falscher Alarm. Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.
Für mich verschmilzt alles zu einer endlos matschigen Wand aus Verzerrung, die nie irgendwo anzukommen scheint. Ein Riff nach dem anderen zieht vorbei, ohne einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Am Ende fiel es mir schwer, mich an einen einzigen einprägsamen Moment zu erinnern. Es ist heavy, klar. Aber das ist ein Kasten Rivella den Pilatus hochzutragen auch.
Das Lustige daran ist, dass «Black Sunday» Hunderttausende Aufrufe auf YouTube gesammelt hat und das Label die Band nach ihrer ersten Europatournee stolz als «eine unglaubliche Live-Band» bezeichnet. Fans beschreiben sie als die perfekten Underground-Doom-Lords. Offensichtlich bin ich hier der Aussenseiter.
Denn ich höre nicht das, was alle anderen zu hören scheinen.
Ja, sie sind roh. Ja, sie sind laut. Ja, sie fangen diese dreckige Garage-Atmosphäre ein.
Goethes Mephistopheles ist ‘der Geist, der stets verneint’. Nach knapp zwei Stunden «Live In Europe» ertappte ich mich dabei, ebenfalls nur noch zu verneinen: Melodien? Nein. Abwechslung? Nein. Noch ein Durchlauf? Ganz sicher nicht.
Lukas R.