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Metal Factory since 1999
"Du wirst vielen Feinden begegnen, manche offen, manche getarnt, und du wirst auf deinem Weg viele Freunde finden, wenn du es am wenigsten erwartest." – J. R. R. Tolkien, Die Gemeinschaft des Rings
Wir von Metal Factory unterstützen gerne unabhängige Musiker, die aus einem inneren Bedürfnis heraus Musik machen. Als lebenslanger Tolkien-Fan konnte ich die Band Lammoth einfach nicht unbeachtet lassen. Vergesst mächtige Könige, unsterbliche Elben und feuerspeiende Drachen. «Onward» gehört Bill, dem Pony.
Das erste Album in voller Länge von Lammoth begleitet dieses arme, halbverhungerte Tier von seinem elenden Dasein unter Bill Ferny bis zu seiner Rettung durch die Gemeinschaft. Sam gibt ihm Essen, Freundlichkeit und vielleicht zum ersten Mal einen Grund, jemandem zu vertrauen. Die neun Tracks führen Bill dann nach Moria, durch Trennung, Leid und Diebstahl, bis er schliesslich ein letztes Wiedersehen erlebt. Tolkien liess in Mittelerde viele Türen offen, doch glücklicherweise gehörte Bills Schicksal nicht zu den dunkleren Geheimnissen. Das Pony überlebte.
Musikalisch ist «Onward» genauso ungewöhnlich wie sein Held. Roher Black Metal und stürmische Blastbeats treffen auf melancholischen Blackgaze, verspielte Keyboards, elektronische Rhythmen und Chiptune-Einlagen, die klingen, als hätte man einen alten Game Boy in einem Hobbit-Loch entdeckt. Es sollte eigentlich nicht funktionieren. Und doch tut es das – und zwar wunderbar.
«Poor Old Half-Starved Pony» beginnt beinahe unschuldig, dann preschen die Gitarren wie die Schwarzen Reiter über die Oststrasse. «To Be Free (Bill)» und «A Gardener» galoppieren mit echter Dringlichkeit dahin, während «Farewell, Good Beast Of Burden» die Traurigkeit des Augenblicks einfängt, in dem die Gemeinschaft Bill loslassen muss, bevor sie Moria betritt.
Das kurze Instrumental «A Fox Passing Through The Woods On Business Of Their Own» ist ein herrlich Tolkieneskes Augenzwinkern: eine musikalische Verbeugung vor jenem legendären Fuchs, der drei wandernde Hobbits erblickte, sich verwundert seinen Teil dachte – und vermutlich bis heute darüber rätselt, was diese nachts im Wald verloren hatten. «The Road to Bree» weist unseren zurückgelassenen Helden schliesslich nach Hause. «A Final Parting» schliesst den Kreis mit ungewöhnlichen elektronischen Beats und echter Emotion.
Hier herrscht Dunkelheit, aber keine modische Hoffnungslosigkeit. Diese Musik handelt davon, wie Grausamkeit durch Fürsorge besiegt wird und wie sich das vermeintlich unbedeutende Mitglied einer Gemeinschaft als eines eigenen Liedes würdig erweist.
Die physischen Vinyl-Auflagen waren Berichten zufolge innerhalb eines Tages vergriffen. Offensichtlich folgen Tolkien-Fans nicht nur Zauberern und Ringträgern in die Schlacht, sondern stellen sich auch hinter ein mutiges Pony.
Bill lebt. Bill ist frei. Und entgegen aller Erwartungen ist Bill bemerkenswerter Black Metal.
Lukas R.