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Mit «Expedition III: Renitenzpfad» setzen ANTRISCH ihre konzeptuelle Reise fort. Doch diesmal weicht die kalte Isolation früherer Veröffentlichungen etwas weitaus Beklemmenderem: dem feuchten, bedrückenden Wahnsinn des Amazonas und dem Geist von Lope de Aguirre.
Das Ergebnis ist ein Album, das sich aber nicht wie eine ferne historische Nacherzählung anfühlt, sondern vielmehr wie ein eindringlicher psychologischer Abstieg in Tönen geformt. Musikalisch bewegen sich Antrisch im Bereich des atmosphärischen Black Metal, erweitern das Genre jedoch auf subtile, aber wirkungsvolle Weise. Die tremolo-getriebenen Riffs bilden nach wie vor das Rückgrat, werden jedoch ständig durch Ambient-Passagen, Spoken-Word-Segmente und unerwartete Texturwechsel unterbrochen.
Anklänge von Doom verlangsamen das Tempo in entscheidenden Momenten, während gelegentliche rhythmische Schärfe in Richtung Djent verweist, ohne jemals den Sound zu dominieren. Dies erzeugt eine Dynamik des Hin und Her zwischen Aggression und Introspektion, die die Zuhörer leicht aus dem Gleichgewicht bringt.
Was «Renitenzpfad» auszeichnet, ist seine narrative Dichte. Das Album entfaltet sich wie ein fragmentiertes Tagebuch einer zum Scheitern verurteilten Expedition: Stimmen tauchen auf, verklingen und kehren in veränderten Zuständen zurück. Dies spiegelt den psychischen Verfall des Protagonisten wider. Der Dschungel ist dabei nicht nur Kulisse, sondern wird zu einer hörbaren Präsenz, die durch dichte Schichtung und klaustrophobische Produktion vermittelt wird. Manchmal wirkt die Musik absichtlich überwältigend, als würde die Klarheit selbst verschluckt.
Trotz seines konzeptionellen Anspruchs bleibt das Album fokussiert. Die Tracks driften selten in Selbstverliebtheit ab und selbst die experimentelleren Passagen dienen der übergreifenden Atmosphäre. Dadurch wird es – innerhalb der Grenzen des Extreme Metal – für Zuhörer zugänglich, die das Erzählen von Geschichten ebenso schätzen wie klangliche Intensität. Auch wenn es seinen Vorgänger vielleicht nicht für jeden Zuhörer auf Anhieb in den Schatten stellt, ist «Expedition III: Renitenzpfad» ein fesselndes und sorgfältig komponiertes Werk.
Es belohnt Geduld, wiederholtes Anhören und die Bereitschaft, in seine dunkle, beunruhigende Welt einzutauchen. Ähnlich wie Klaus Kinskis verstörende Darstellung in "Aguirre, der Zorn Gottes" vermittelt dieses Album einen fieberhaften Abstieg in den Wahnsinn – beunruhigend, obsessiv und unwiderstehlich.
Lukas R.