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BLOODY VALKYRIA eröffnen ihr neues Album «Requiem: Reveries Of The Dying» mit «Symphony Of Silence» - und für einen kurzen Moment könnte man meinen, versehentlich den Soundtrack einer Wal-Dokumentation oder eine Yoga-Meditations-Playlist gestartet zu haben, die dem Wal Timmy/Fridolin gewidmet ist.
Sanfte Atmosphäre, ruhiges Klavier, schwebende Gelassenheit und Walgesänge..., aber mach es dir nicht zu bequem! Es sind noch mehr als neun Minuten des Songs übrig und schon bald stürmen schwere Gitarren ins Bild, während harte Growls über die beruhigenden Melodien krachen. Die Yoga-Stunde ist abgesagt. Willkommen zurück beim epischen, melodischen Black Metal.
Was mir sofort auffiel, ist, wie sehr mich die Atmosphäre gelegentlich an die jüngsten Produktionen von Black Jade erinnert. Nicht, weil die Bands identisch klingen, sondern weil beide Projekte verstehen, Härte mit Schönheit, Melancholie und cineastischen Fantasie-Emotionen zu verbinden, anstatt sich rein auf Aggression oder Dunkelheit zu verlassen.
Mastermind Jere Kervinen liebt offensichtlich epische Welten und emotionales Storytelling. Schon ein Promo-Bild hat mich zum Schmunzeln gebracht: Tolkien-Shirt an, "Der Herr der Ringe" und "Hobbit"-Bücher dominieren das Regal im Hintergrund – dieser Typ weiss definitiv, wie er Fantasy-begeisterte Metalheads interessiert, noch bevor auch nur eine einzige Note erklingt. Glücklicherweise hält die Musik selbst voll und ganz, was sie verspricht.
Anstatt sich auf pure Kälte oder Elend zu konzentrieren, birgt «Requiem: Reveries Of The Dying» unter all der Melancholie einen überraschend positiven emotionalen Kern. Ja, das Album beschäftigt sich mit Verlust, Tod und Abwesenheit, aber es wirkt selten hoffnungslos. In diesen Songs steckt Wärme. Hoffnung. Reflexion. Sogar Schönheit. Diese Kombination hebt es von vielen modernen Black Metal Veröffentlichungen ab, die oft in endlosem, grauem Nihilismus versinken.
Fans von Cân Bardd, Belore, Saor, Dwarrowdelf, Black Jade oder Emyn Muil dürften sich hier musikalisch sofort zu Hause fühlen – Bands also, die ich bereits ausführlicher in meinem Tolkien-&-Metal-Bericht an selber Stelle behandelt habe. Die Stärke des Albums liegt vor allem in seinem melodischen Tremolo-Gitarrenspiel. Diese klassische, rasante Black Metal Gitarrentechnik wird auf dem gesamten Album ständig eingesetzt, jedoch nicht auf rein chaotische oder eisige Weise. Seine Riffs wirken melodisch, fliessend und emotional und entfalten sich oft wie lange Fantasiereisen durch nordische Landschaften.
Tracks wie «Always» glänzen besonders durch diese vielschichtigen, atmosphärischen Melodien, den schimmernden Hall und die fast mittelalterlich anmutenden Tonleitern. «Life’s Worth» überraschte mich hingegen mit seiner seltsam erhebenden und hymnischen Energie. Unter der Black Metal Oberfläche verbirgt sich etwas, das dem Arena-Rock ähnelt – eingängig, triumphierend und motivierend, was kurz an die emotionale Kraft von «Final Countdown» von Europe oder «Eye Of The Tiger» von Survivor erinnert.
«Mending Through Suffering» fängt perfekt ein, was Bloody Valkyria jenseits der üblichen Genre-Klischees interessant macht. Der Song beginnt mit zerbrechlichen Klavierlinien und einer fast nachdenklichen Ruhe, bevor er erneut in Wellen aggressiver Riffs und harter Vocals ausbricht und so ein ständiges emotionales Hin und Her zwischen Verletzlichkeit und Stärke erzeugt.
Danach verlangsamt «When Everything Feels Like Nothing» das Album zu einem seiner dunkelsten und melancholischsten Momente. Der Song trägt eine fast doomartige Schwere in sich, die weniger wütend als vielmehr emotional erschöpft wirkt. Es ist die Art von Song, die durch Nebel statt durch Feuer wandert.
Der Schlusstrack «My Beloved North» hebt das Album schliesslich ein letztes Mal in ein episches nordisches Fantasieland, indem er mitreissende, atmosphärische Melodien mit einem tiefen Gefühl von Abschied und Sehnsucht verbindet. Das Ergebnis wirkt fast filmisch, als stünde man am Ende einer langen Reise allein auf einem gefrorenen Bergrücken, während das letzte Licht hinter dem Horizont verschwindet.
Noch ist nicht alles zu 100 Prozent perfekt: Die programmierten Drums klingen neben den satten Gitarren- und Synth-Arrangements etwas mechanisch. Aber das sind nur kleine Kritikpunkte, wenn das emotionale Eintauchen so gut funktioniert.
Was Bloody Valkyria so besonders macht, ist nicht nur technisches Können oder Fantasy-Ästhetik. Es ist die Aufrichtigkeit hinter der Musik. «Requiem: Reveries Of The Dying» fühlt sich an wie ein Album, das von jemandem geschrieben wurde, der Atmosphäre, Melodie und emotionales Storytelling ebenso sehr liebt wie die Härte selbst. Für Zuhörer die Black Metal mit Herz, Schönheit und filmischer Weite statt purer Brutalität schätzen, lohnt sich diese Reise absolut. Ich habe mir nun alle drei Alben bestellt.
Lukas R.