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Metal Factory since 1999
Ich vergöttere CRIMSON GLORY für ihre ersten beiden Studio-Scheiben. Ob dabei nun das Debüt von 1986 oder «Transcendence» (1988) das bessere Werk ist, darüber streiten sich die Metal-Götter und deren Schüler seit Jahrzehnten.
In meinen Augen hat der Erstling klar die Nase vorne, denn allein «Dragon Lady» und «Azrael» sind Lieder, die man im Leben nur einmal schreibt und dies auch nur ein kleiner Prozentsatz aller Metal-Truppen. Für das sagenumwobene Charisma der ehemaligen Maskenmänner war insbesondere Sänger Midnight verantwortlich. Seine unglaubliche Stimme passte perfekt zu den leicht vertrackten Nummern und verlieh ihnen ein magisches wie bezauberndes Flair. Dass diese Ausnahme-Stimme nicht mehr dabei ist, ist dem zu frühen Ableben des Amis zu verschulden. Mit Todd La Torre hatten Crimson Glory einen weiteren Meistersänger in den eigenen Reihen, bevor sich dieser in Richtung Queensrÿche verabschiedete.
In einer Karriere gleich dreimal einen Shouter dieses Formates zu finden, ist eigentlich unvorstellbar, und dennoch präsentieren die Jungs mit Travis Willis einen Schreihals, der immer wieder die Vibes von Midnight ans Tageslicht bringt. Also gesanglich ist alles in trockenen Tüchern. Musikalisch bewegen sich die neun neuen Tracks auf einem ähnlich hohen Level, wie bei den ersten beiden Scheiben. Verspielt, mit einem Schuss mystischem Flair, grossen Melodien und unter die Haut gehenden Metal-Rifffs. Ab und zu fehlt noch ein bisschen der Klassiker-Touch, beziehungsweise braucht es einen oder zwei Durchläufe mehr, um das volle Potenzial des Ganzen zu erkennen.
Das mit leicht arabischem Flair versehene «Broken Together» sowie das mit einer Akustik-Einleitung startende, sich steigernde und Hobelspäne verursachende «Angel In My Nightmare» (setzt den Text musikalisch perfekt um) sind sehr gute Anhör-Tipps. «Chasing The Hydra» ist eine überraschenderweise sehr starke Scheibe geworden, welche die alten Klassiker ins 21. Jahrhundert transportiert und dabei eine mehr als nur gute Figur abgibt. Dass die Originalband-Mitglieder Jeff Lords (Bass), Dana Burnell (Drums) und Ben Jackson (Gitarre) noch immer coole Songs schreiben können («Beyond The Unknown»), beweisen sie mit dieser Scheibe, auch wenn die ersten zwei Meisterwerke unerreicht bleiben. Kompliment!
Tinu