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Metal Factory since 1999
Die aus Modena, Italien stammende Band KARMIAN hat sich innerhalb der italienischen Melodic Death Metal Szene eine unverwechselbare Position erspielt, indem sie extreme Musik nicht nur als Mittel der Aggression, sondern als narrative und philosophische Sprache verstehen.
Seit ihrer Wiedergeburt im Jahr 2011 verfolgt die Band konsequent eine Vision, die in skandinavisch inspirierter Wildheit verwurzelt ist und gleichzeitig einen ausgeprägten italienischen Sinn für Drama, Symbolik und konzeptionelle Tiefe umfasst. «Horror Vacui» stellt den Höhepunkt ihres konzeptionellen Weges dar, der mit dem psychologischen Fokus von «Ways Of Death» begann und sich mit «Surgere Et Cadere» zu einer historischen und mythologischen Allegorie ausweitete. Das Album ist als konzeptionelles Gesamtwerk konzipiert, das von neun realen italienischen Mordfällen inspiriert ist, jedoch nicht als sensationell mordlüstern, sondern analytisch besungen wird.
Das Album verherrlicht also keine Gräueltaten, sondern hinterfragt deren Ursprünge. Jeder der neun Tracks fungiert als eigenständiges psychologisches Porträt und als Teil eines grossen Ganzen. Musikalisch erweitert «Horror Vacui» Karmian's melodischen Death Metal mit gesteigerter Ausdruckskraft und dynamischer Präzision. Das duale Gitarren-Spiel balanciert scharfkantige Aggression mit sorgfältig gestalteten Melodielinien aus, die sich an der schwedischen Schule orientieren und gleichzeitig ein starkes Gefühl für das narrative Tempo bewahren.
Andrea Bertolazzis Gesangs-Leistung spielt eine wichtige Rolle auf dem gesamten Album. Seine Stimme bewegt sich fliessend zwischen Growl und einer fast theatralischen Intensität, die sich dem Rahmen jedes Songs anpasst. Manchmal verkörpert sie den Täter, manchmal das Opfer und oft die Leere selbst. Atmosphärische Elemente, darunter Synthesizer und sorgfältig platzierte strukturelle Details, verstärken die filmische Dimension des Albums, ohne seine Extremität zu verwässern. Die Produktion von Luca Cocconi und Simone Sighinolfi im "Audiocore Studio" ist bewusst zwischen Klarheit und Atmosphäre ausbalanciert.
Die Gitarren bleiben scharf und definiert, das Schlagzeug behält seine natürliche Kraft, und der Gesamt-Mix verzichtet auf übermässige Glättung. Nach Besetzungs-Wechseln, infolge der Pandemie, brachte die aktuelle Formation eine neue Chemie und einen dunkleren, fokussierteren Ansatz beim Songwriting mit sich. Das Ergebnis ist «Horror Vacui», das nicht nur konzeptionell, sondern auch musikalisch kohärent wirkt. Es markiert einen bedeutenden Moment in der Entwicklung von Karmian dar.
Oliver H.