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ROB ZOMBIE ist in der Szene so etwas wie der kranke Bruder von Marilyn Manson und Al Jourgensen (Ministry), obwohl die zwei Letztgenannten vermutlich auch nicht ganz gesund sind.
Als Rock-Ikone und Filmemacher hat Rob Zombie sein Publikum immer wieder herausgefordert, indem er die Grenzen von Musik und Film stets erweitert hat. Er gilt als der einzige Künstler, der in beiden Genres Erfolge feiern konnte, unter anderem als Autor und Regisseur von neun Spielfilmen, darunter der Horror-Überflieger «Halloween». Nach vier Jahren Abstinenz kehrt Rob Zombie wieder mit neuer Musik zurück. «The Great Satan» verzichtet weitgehend auf die theatralische Dichte seiner späteren Werke und konzentriert sich erfreulicherweise wieder auf die rohe, kraftvolle Mechanik, die ursprünglich seine Solo-Identität begründete.
Somit ist die Rückkehr von Gitarrist Mike Riggs und Bassist Rob "Blasko" Nicholson nicht bloss ein rein nostalgischer Schritt, sondern sie formt das musikalische Rückgrat des Albums neu und stellt die raue Groove-Architektur der frühen Tage wieder her. Mit frenetischen Stücken wie «Punks & Demons», «Heathen Days», «(I’m a) Rock ‘N’ Roller» und «Tarantula» findet Zombie wieder zurück zu seinen Hellbilly-Wurzeln. Während fünfzehn Tracks setzt Rob auf treibende Rhythmen und elektronische Elemente. Der Opener «F.T.W. 84» legt mit stampfenden Percussion-Elementen und auf Wiederholung ausgelegten Riff-Zyklen den beeindruckenden Grundstein des Albums.
Tracks wie «Black Rat Coffin» und «Sir Lord Acid Wolfman» bewahren Zombies absurde Bildsprache, nehmen auf dem Album aber glücklicherweise nicht Überhand. «Welcome To The Electric Age» und «Revolution Motherfuckers» bringen Punk-Energie in die Tracklist und verhindern, dass der Mittelteil des Albums durchhängt. Alle Tracks behalten bewusst ihre raue Textur, priorisieren Wucht und Drive anstelle von überproduziertem Hochglanz. Aggressivität wird durch den Rhythmus getragen, während die Track-Reihenfolge auf jegliche Balladen, Zwischenspiele und konzeptionelle Abschweifungen verzichtet.
Dieser Wandel zeugt von einem gesteigerten Selbstvertrauen in den Minimalismus und setzt wieder auf Groove-Spannung statt auf maximalistische Horror-Theatralik. «The Great Satan» vereint bekannte Weggefährten und stellt rhythmische Brutalität über klangliche Spektakel. Zombie festigt die grundlegenden Mechanismen, die seinen frühen Erfolg begründeten, und obwohl die aktuelle Platte nicht sein bestes Werk ist, fängt es die Moderne definitiv gekonnt ein. Ein wahrer Ohrenschmaus!
Oliver H.