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Metal Factory since 1999
Wie hat Rönu doch so treffend in seiner Victorius Review vor einem Monat erwähnt? Dass ich mich nicht gerade über die Aussage des Sängers gefreut habe, der meinte: "Wir sind Victorius und wir spielen Power Metal". Dass mir nur meine Gesichtszüge entglitten sind, kommt einem Kosenamen gleich, denn ich stand kurz davor die Truppe von der Bühne zu holen und, für die frevlerische Aussage, Abbath zum Frass vorzuwerfen. Nein, es war Gotteslästerung in Reinkultur, denn was bitte schön haben Victorius mit Power Metal zu tun? Wahrscheinlich so viel wie Journey mit Death Metal, nämlich rein gar nichts!
Was mich nun dazu überleiten lässt, zum reinen US Power Metal, der damals von ARMORED SAINT mitbegründet wurde. 1982 nahm ich die Truppe auf dem «Metal Massacre Sampler II» wahr. Die Nummer «Lesson Well Learned» entfachte bei mir ein Feuer, das bis heute anhält. Zusammen mit Vicious Rumors, Riot und den alten Savatage waren die Herren für mich der ultimative Shit. Als 1984 «March Of The Saint» erschien (damals trugen die Jungs noch Ritter-Kostüme), hatte sich schon die vorausgegangene EP «Armored Saint» in mein Gehirn eingefräst. Es waren die unglaubliche Stimme von John Bush (später bei Anthrax), das kongeniale Gitarrenspiel von Phil Sandoval und Dave Prichard (der leider 1990 an Leukämie verstarb) und die monströs groovende Rhythmus-Maschine mit Joey Vera (Bass) und Gonzo Sandoval (Drums), welche mich zum Die Hard Fan werden liessen.
Nach den grandiosen Meisterwerken «Delirious Nomad» (1985) und «Raising Fear» (1987) schien die Band nichts aufzuhalten, ausser das Musik-Business. Wer einmal in seinem Leben das vor Hoffnung, Verzweiflung, Wut und nie aufgeben vollgepumpte «Aftermath» gehört hat oder die Hymne «Chemical Euphoria» verinnerlicht, wird vom Virus AS nicht mehr wegkommen. Dass das Leben aber grausam sein kann, mussten die Jungs am eigenen Körper erfahren, als selbst die Support-Shows für die Scorpions auf der «Crazy World» Tour nicht den gewünschten Erfolg brachten. Die Familie blieb aber zusammen. John, Phil, Joey, Gonzo und Jeff Duncan (Gitarre, seit 1989) liessen sich nicht von ihrem Weg abbringen, spielten ihren Stiefel ohne Wenn und Aber, sprich zeigten allen den gestreckten musikalischen Mittelfinger.
Mit dem neusten Werk «Emotion Factory Reset», dem neunten, haut der Fünfer nun locker ein Album heraus, das zum Besten gehört, was die Combo jemals veröffentlicht hat. Und davon gab es in der Vergangenheit verdammt viel. Der Opener des neusten Streichs, «Close To The Bone», ist eine mitreissende Power Hymne, bei dem die Metal-Götter im Olymp zufrieden mit den Kopf nicken und den Beinen wippen. Mit wilden Gitarrenparts sparen die Jungs nicht bei «Compromise», während der Groover «It's A Buzzkill» alles mitreisst, und das verspielte «Ladders And Slides» sowie das rockige «Epilogue» das Album vorzüglich aufwerten.
Armored Saint haben ihren eh schon breiten Fundus nochmals erweitert, bleiben dabei aber stets bei ihren sensationellen Tracks und hauen ein Power Metal Album heraus, das diesen Namen auch mit Stolz tragen darf. Armored Saint sind die Truppe, welche sich alle Metaller angehört haben müssen. Wer dies noch nicht getan hat, bekommt mit «Emotion Factory Reset» den Soundtrack zum Eintauchen in metallische Universen, die man bei jedem Anhören aufs Neue entdecken und dabei auf den grandiosen Riffs durch die Galaxien reiten kann.
Tinu