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Live-Alben im Extreme Metal lassen sich oft in zwei Kategorien einteilen: Entweder es handelt sich um eine verschwommene Wand aus Lärm oder um eine höfliche Dokumentation korrekt gespielter Songs. «Darkness Alive» liegt irgendwo dazwischen – es fühlt sich an, als stünde man zu nah an der Bühne, während die Lichter in den Augen brennen und die Kick-Drum den Brustkorb durcheinanderwirbelt.
«Tiefe Erde» von WANDAR versucht gar nicht erst durch technisches Spektakel oder modernen Post-Black-Glanz zu beeindrucken. Stattdessen zieht es den Hörer in eine beklemmende Welt aus Verfall, Trauer und existenzieller Finsternis, die tief in den Traditionen des klassischen deutschen atmosphärischen Black Metal verwurzelt ist.
"Hahahaha—ha—HA—HAHAHAHA!!" Die ersten Momente von «Stoned Villains» fühlen sich an, als würde man einen rauchverhangenen Jahrmarkt betreten, der von Verrückten geleitet wird: Ein verstörendes, fast schon Joker-artiges Gelächter gibt den Ton an, bevor die Band einen kopfüber in ihr dichtes, riffgeladenes Universum zieht. Von da an verschwendet das Turiner Quartett keine Zeit: Das ist Sludge Metal mit voller Wucht, bei dem jeder Groove wie eine langsam schwingende Abrisskugel einschlägt.
Das Schweizer Quartett ANNIE TAYLOR war schon immer von einem rastlosen Geist geprägt, und auch das Album «Out Of Scale» klingt, als hätte sich die Band geweigert, sich auf eine bequeme Identität festzulegen.
Die polnische Band Blindead hat ihren Namen offensichtlich nicht aus kosmetischen Gründen in BLINDEAD 23 geändert. Schon diese seltsame Zahl wirft Fragen auf.
JAYLER kommen mit «Voices Unheard» und tragen dabei die Last, die jede junge Classic Rock Band mit sich bringt: die unvermeidlichen Vergleiche mit Led Zeppelin. Die Reaktionen der Presse haben das bereits deutlich gemacht – eine Rezension schlug sogar vor, Zep-Fans könnten dieses Album blind kaufen. Und ja, die DNA lässt sich unmöglich ignorieren. Aber diese jungen Briten auf blosse Nachahmer zu reduzieren, geht völlig am Kern der Sache vorbei.
BLOODY VALKYRIA eröffnen ihr neues Album «Requiem: Reveries Of The Dying» mit «Symphony Of Silence» - und für einen kurzen Moment könnte man meinen, versehentlich den Soundtrack einer Wal-Dokumentation oder eine Yoga-Meditations-Playlist gestartet zu haben, die dem Wal Timmy/Fridolin gewidmet ist.
«Via Miseria IV» versprüht einen leicht arroganten Charme, als wäre HOKKA bewusst, wie durchdacht und wirkungsvoll ihr Sound ist. Stellt Euch eine nächtliche Küchensession vor, bei der jemand einen Hauch von Robbie Williams, eine Prise ABBA und eine grosszügige Portion The Rasmus zusammenwirft und alles zu einer glänzenden, emotionsgeladenen Hitformel vermischt.
«Infinite Illumination», das sechste und angekündigt auch letzte Werk von SPIRIT ADRIFT, besitzt eine Schwere, die es sofort von der Masse der retro-orientierten Heavy Metal Bands abhebt. Anstatt der Nostalgie hinterherzujagen, verfeinert das in Austin ansässige Projekt sie zu etwas Persönlichem: ein Album, das sich wie ein Abschlusskapitel anfühlt, das mit bewusster Wucht geschrieben wurde.
Mit «Expedition III: Renitenzpfad» setzen ANTRISCH ihre konzeptuelle Reise fort. Doch diesmal weicht die kalte Isolation früherer Veröffentlichungen etwas weitaus Beklemmenderem: dem feuchten, bedrückenden Wahnsinn des Amazonas und dem Geist von Lope de Aguirre.